Wie entwickle ich die Figuren für meine Geschichten?

Für eine gute Geschichte ist es unheimlich wichtig, gute Charaktere zu haben. Sie sind es, die die Geschichte vorantreiben und die bestimmen, wo sie lang geht. Die Charaktere sollten dreidimensional und nicht stereotyp sein, mit herausragenden Charaktereigenschaften.

Für mich ist die Figurenentwicklung durch Rückblicke eine gute Ergänzung, um die Figuren noch besser kennenzulernen und die Charakterzüge noch besser herauszuarbeiten. Dabei schreibe ich eine oder mehrere Szenen, die schon vor der Handlung der Geschichte stattgefunden haben. In diesen Szenen konfrontiere ich die Figuren mit schwierigen Situationen, damit sie auch die Gelegenheit haben, ihren Charakter zu zeigen, das kann z. B. ein Unfall sein oder ein Streit. Meistens haben diese Szenen damit ihren Zweck erfüllt, aber manchmal gefallen sie mir auch so sehr, dass ich sie in die spätere Geschichte mit einbaue.

Für Alex, den Protagonisten aus meinem aktuellen Projekt OS1, habe ich eine Szene geschrieben, die er kurz vor seinem Unfall erlebt hat. Bei ihm ist es besonders wichtig, sein früheres Ich kennenzulernen, weil er sich durch den Unfall sehr verändert hat.
In dieser Szene wird sein Verhalten an einem Tatort gezeigt, wo er mit den anderen Ermittlern aneckt, weil sie ihm nicht gut genug arbeiten und er dafür keine Geduld hat.

Hier zeige ich Euch einen kleinen Auszug aus der Szene, in der Alex einen Zeugen befragt, einen Penner, der in der Nähe steht:
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„Bist du schon länger hier in der Umgebung?“, fragte er den Penner, der schon bei seiner Annäherung nervös aufgeschaut hatte und jetzt den Eindruck machte, als wollte er am liebsten das Weite suchen.
„Da vorne.“ Er deutete auf einen unbestimmten Ort hinter sich.
Die Stimme schien männlich zu sein, nur eigenartig, dass er so glatt rasiert war, wunderte sich Alex zeitgleich zum Riss seines Geduldsfadens. Zu solch einem Gestammel fehlten ihm heute Morgen die Zeit und die Geduld.
„Komm, konzentriere dich“, fuhr er den Mann an. „Wo genau warst du?“
Der Penner zog den Kopf zwischen die Schultern.
„Auf der Bank“, sagte er kleinlaut und deutete wieder hinter sich. „Hab‘ mich nur’n büschen ausgeruht.“
Alex machte einen Schritt zur Seite und kniff die Augen zusammen. Dann sah er die Parkbank, die sich unscheinbar unter einigen Bäumen befand. Vielleicht hatte der Penner dort übernachtet.
„Hast du dort geschlafen?“
Der Mann wich seinem Blick aus.
„Nur’n büschen ausgeruht“, wiederholte er.
Vermutlich hatte der Mann Angst, dass er ihn wegen irgendetwas belangen wollte.
„Ist mir ziemlich egal, was du da gemacht hast“, sagte Alex deshalb. „Hast du gesehen, was hier passiert ist letzte Nacht?“
Der Mann dreht sich ab, zu seinem Einkaufswagen, als wollte er gehen.
„Hab‘ mich nur ausgeruht. Bin vielleicht mal eingenickt. Hab‘ nix erkannt.“
Alex packte ihn am speckigen Ärmel seiner Jacke und zog ihn wieder zurück.
„Moment, Freundchen, du bleibst jetzt hier und beantwortest meine Fragen.“
Der Penner riss die Augen auf und fing an zu zittern. Alex merkte, dass er zu hart herangegangen war.
„Ja, ja, beruhige dich“, sagte er, wie er hoffte in einem sanfteren Tonfall. „Es passiert dir ja nichts. Aber es ist wichtig, dass du jetzt erzählst, ob du etwas gesehen hast.“
„Konnte nix erkennen“, sagte er wimmernd.
„Wovon konntest du nichts erkennen? Was ist hier vorgefallen?“
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Wer weiß, vielleicht verwende ich die Szene in meinem neuen Buch ja als Rückblick. Was meint Ihr?

Ein Satz aus meinem dritten Buch

Mein drittes Buch mit dem Arbeitstitel OS1 ist noch im Entstehungsprozess. Das hält mich aber nicht davon ab, schon die eine oder andere Kleinigkeit zu verraten. Heute handelt es sich dabei um einen Satz, der relativ am Anfang der Geschichte steht:

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„In diesem Moment sah er zu ihm herüber, und Alex wurde klar, dass er seinen Sohn eigentlich gar nicht kannte.“
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Jedem Menschen, der mal ein „Pubertier“ (oder ein frisches „Ex-Pubertier“) zu Hause hatte, wird das bekannt vorkommen. 😂
Aber bei Alex nimmt dieses Gefühl noch eine ganz andere Dimension an, weil er die Welt seit seinem Unfall mit ganz anderen Augen wahrnimmt.

Ja, Ihr habt richtig gelesen: Die Entscheidung für den Namen des Protagonisten ist gefallen. Alexander soll er heißen, oder kurz Alex.

Dieser Satz stammt aus einer Szene, die ich geschrieben habe, um Alex besser kennenzulernen.

Mein drittes Buch: Arbeitsstand

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Heute möchte ich den Arbeitsstand meines dritten Buches mit Euch teilen. 😃

Das hat mittlerweile auch einen Arbeitstitel, den ich aber noch nicht verraten möchte. Stattdessen verwende ich eine Kurzfassung davon, und diese lautet „OS1“. (Hat nichts mit Osnabrück oder Ostfriesland zu tun. 😉 )

Leider habe ich im ersten Quartal noch nicht so viel an OS1 gearbeitet, wie ich eigentlich wollte, aber in den letzten drei Wochen hatte ich Urlaub, und da habe ich Einiges nachgeholt. 💪

Ich habe die (vorläufig) erste Szene geschrieben, den Anfang des zweiten Kapitels geschrieben und auch die eine oder andere weitere Szene, die mir geholfen haben, Ideen für die eigentliche Geschichte zu finden. Jetzt habe ich auch ein besseres Bild von dem Protagonisten bekommen, sodass ich dessen Entwicklung als nächstes weiter vorantreiben kann. Heute habe ich den Anfang und das Ende formuliert, ich weiß also schonmal wie ich starte und wohin ich will, der Rest müsste dann doch ein Klacks sein. 😂

Bei der Entwicklung der eigentlichen Geschichte habe ich eine Mind-Map erstellt (s. Bild; noch im Aufbau). Mit dieser Methode habe ich auch früher schon meiner Kreativität sehr gut auf die Sprünge helfen können. Durch die wertungsfreie Suche nach Assoziationen komme ich immer auf Ideen, die mir sonst nie eingefallen wären.